Wirtschaft

IHK Osnabrück fordert Ende der Pflichten-Flut für Betriebe

Bürokratie kostet Zeit und Geld. Die IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim macht deshalb Druck: Sie begrüßt aktuelle Bestrebungen, überbordende Berichts- und Nachweispflichten für Unternehmen zu reduzieren. Für den regionalen Handel und den Mittelstand ist das Thema längst keine abstrakte Debatte mehr.

Belastung durch Bürokratie wächst

Carla Gundlach, Vorsitzende des IHK-Fachausschusses Handel, bringt es auf den Punkt. Es kommen immer neue Nachweis- und Berichtspflichten auf die Betriebe zu. Von einer Entlastung sei bislang nichts zu spüren. Das beklagten Unternehmerinnen und Unternehmer bei einer Sitzung des Fachausschusses.

Dr. Ulrike Regele, Referatsleiterin Handel bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer, schilderte die Gesamtlage auf Bundesebene. Ihr Vortrag machte deutlich: Die Pflichtendichte hat in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Betriebe müssen dokumentieren, berichten und nachweisen. Das bindet Personal und Ressourcen.

Die IHK Osnabrück vertritt rund 63.500 Mitgliedsunternehmen in der Region. 450 Unternehmer engagieren sich in den gewählten IHK-Gremien. 2.500 Personen sind als ehrenamtliche Prüfer tätig. Die Kammer versteht sich als Bindeglied zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung.

EU-Parlament signalisiert Kurskorrektur

Auf europäischer Ebene zeichnet sich eine Wende ab. Der Rechtsausschuss des EU-Parlaments hat sich auf eine gemeinsame Position verständigt. Ziel ist es, Reporting- und Lieferketten-Sorgfaltspflichten zu reduzieren. Für die Wirtschaft in Osnabrück, im Emsland und in der Grafschaft Bentheim ist das ein Signal.

Die IHK wertet diesen Schritt als wichtige Weichenstellung. Allerdings betonen Vertreter der Kammer: Signale allein reichen nicht. Es müssen konkrete Entlastungen folgen. Gerade für kleine und mittelgroße Betriebe ist jede zusätzliche Pflicht eine spürbare Belastung.

Handel besonders betroffen

Der Einzelhandel steht unter besonderem Druck. Die Branche kämpft mit veränderten Kaufgewohnheiten, steigenden Kosten und dem Wettbewerb durch Online-Plattformen. Zusätzliche Dokumentationspflichten verschärfen die Lage. Der IHK-Fachausschuss Handel hat das Thema deshalb ganz oben auf seine Agenda gesetzt.

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Die Forderung ist klar: Fairer Wettbewerb braucht gleiche Regeln. Und gleiche Regeln bedeuten auch, dass bürokratische Lasten nicht einseitig auf den stationären Handel abgewälzt werden dürfen. Digitale Anbieter aus dem Ausland unterliegen oft anderen oder gar keinen vergleichbaren Pflichten.

IHK setzt auf politischen Druck

Die Kammer setzt ihre Arbeit an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik fort. Sie will den Abbau von Berichtspflichten aktiv begleiten. Dabei geht es nicht darum, sinnvolle Transparenzanforderungen abzuschaffen. Es geht darum, unnötige Doppelstrukturen und überflüssige Nachweispflichten zu streichen.

Auf nationaler Ebene ist das Thema Bürokratieabbau ebenfalls präsent. Bundesregierung und Gesetzgeber haben mehrfach angekündigt, den Aufwand für Unternehmen zu senken. Die IHK Osnabrück fordert, dass diesen Ankündigungen nun Taten folgen.

Mittelstand braucht Planungssicherheit

Für den Mittelstand in der Region ist Planungssicherheit entscheidend. Wer nicht weiß, welche neuen Pflichten morgen kommen, kann nicht langfristig investieren. Die IHK plädiert daher für einen verlässlichen Rahmen. Neue Pflichten sollen einer strengen Verhältnismäßigkeitsprüfung standhalten müssen.

Besonders kleine Betriebe ohne eigene Rechts- oder Compliance-Abteilung trifft jede neue Anforderung hart. Sie müssen externe Berater hinzuziehen oder eigene Mitarbeiter schulen. Das kostet Geld, das an anderer Stelle fehlt.

Fazit: Richtung stimmt, Tempo muss steigen

Die IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim begrüßt die politischen Signale zum Abbau von Berichtspflichten. Doch die Kammer macht keinen Hehl daraus: Die Richtung stimmt, aber das Tempo muss deutlich steigen. 63.500 Unternehmen in der Region warten auf konkrete Entlastung. Worte müssen jetzt in Gesetze und Verordnungen übersetzt werden.

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