Uni Osnabrück ehrt Pianist Igor Levit mit Doktorwürde
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Der Pianist Igor Levit erhält seine erste Ehrendoktorwürde. Die Universität Osnabrück zeichnet ihn damit für sein künstlerisches und gesellschaftliches Engagement aus. Der Festakt findet am 12. Juni um 18 Uhr im Schloss Osnabrück statt.
Fachbereich Musikwissenschaft trägt die Auszeichnung
Der Fachbereich Erziehungs- und Kulturwissenschaften der Universität Osnabrück vergibt die Würde gemeinsam mit dem Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik. Die Wahl fiel auf Levit aus zwei Gründen: sein Rang als Weltklassepianist und sein öffentliches Eintreten gegen Antisemitismus.
Levit wurde am 10. März 1987 in Gorki, dem heutigen Nischni Nowgorod, geboren. Er stammt aus einer jüdischen Familie. Mit acht Jahren kam er nach Deutschland. Seine musikalische Ausbildung absolvierte er an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Dort ist er heute Professor für Klavier.
Karriere mit frühen Auszeichnungen
Levits Karriere begann früh und verlief steil. Beim International Arthur Rubinstein Wettbewerb 2005 in Tel Aviv war er der jüngste Teilnehmer. Er gewann die Silbermedaille, den Sonderpreis für Kammermusik, den Publikumspreis und den Preis für die beste Aufführung des zeitgenössischen Pflichtstücks.
Sein Konzertdebüt wagte er mit den späten Beethoven-Sonaten. Das war ein ungewöhnlicher Schritt für einen jungen Pianisten. Die Sonaten gelten als interpretatorisch besonders anspruchsvoll. Levit machte damit früh klar, dass er keine leichten Wege sucht.
2018 erhielt er den Gilmore Artist Award. Dieser Preis wird nur alle vier Jahre an einen klassischen Pianisten vergeben. Er gilt als einer der höchstdotierten seiner Art weltweit. Levit war der achte Preisträger in der Geschichte des Awards.
Engagement weit über die Bühne hinaus
Levit ist nicht nur Musiker. Er meldet sich regelmäßig zu politischen Themen zu Wort. Besonders der Kampf gegen Antisemitismus ist ihm ein persönliches Anliegen.
Nach dem Hamas-Terror vom 7. Oktober 2023 reiste er nach Israel. Dort spielte er ein Konzert für die Opfer des Angriffs. Zurück in Deutschland sprach er offen über neu erlebten Antisemitismus im Land.
Während der Corona-Pandemie 2020 spielte er täglich Konzerte in seiner Wohnung und übertrug sie live im Internet. Diese sogenannten Hauskonzerte wurden zu einem Symbol öffentlichen Zusammenhalts. Im Herbst 2020 erhielt er dafür das Bundesverdienstkreuz.
Ebenfalls 2020 geriet er in den Fokus einer öffentlichen Debatte. Der Musikkritiker Helmut Mauró von der Süddeutschen Zeitung löste mit einem Artikel über Levit eine breite Kontroverse aus. Die Diskussion zeigte, wie präsent Levit im öffentlichen Leben Deutschlands ist.
Osnabrück setzt ein Zeichen
Mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde positioniert sich die Universität Osnabrück klar. Sie würdigt nicht nur musikalische Exzellenz. Sie anerkennt auch zivilgesellschaftliches Engagement als akademisch relevante Leistung.
Für Levit ist es die erste Ehrung dieser Art. Der 39-Jährige hat zahlreiche Preise erhalten. Eine Ehrendoktorwürde fehlte bislang in seiner Sammlung. Osnabrück schreibt damit ein Stück seiner Biografie.
Fazit
Die Universität Osnabrück ehrt mit Igor Levit eine Persönlichkeit, die Kunst und Haltung konsequent verbindet. Der Festakt am 12. Juni im Osnabrücker Schloss dürfte mehr sein als eine akademische Zeremonie. Er wird ein Statement für Demokratie, Erinnerungskultur und die gesellschaftliche Verantwortung von Künstlern.



