Rehkitzretter in Melle: Drohnen schützen Jungtiere vor dem Mähtod

In Melle Westerhausen haben sich ehrenamtliche Rehkitzretter zum Saisonabschluss getroffen. Die Gruppe blickte auf eine erfolgreiche Saison zurück. Ihr Werkzeug: Drohnen mit Wärmebildkameras, frühe Morgenstunden und viel Geduld.
Das stille Sterben im Gras
Jedes Jahr im Frühjahr beginnt die Mähsaison. Landwirte fahren mit ihren Maschinen über die Wiesen. Für Rehkitze wird das oft zur tödlichen Gefahr. Die Jungtiere liegen reglos im hohen Gras. Das ist ihr natürlicher Schutzinstinkt. Sie drücken sich flach auf den Boden und rühren sich nicht, selbst wenn sich Gefahr nähert.
Diese Strategie schützt sie vor Füchsen und anderen Fressfeinden. Gegen ein Mähwerk hilft sie nicht. Jedes Jahr sterben in Deutschland Tausende Rehkitze beim ersten Grasschnitt der Saison.
Drohnen mit Wärmebildkamera als Lösung
Die Rehkitzretter aus Melle und der Region gehen früh morgens auf die Felder. Vor dem Sonnenaufgang starten sie ihre Drohnen. Die Wärmebildkameras erkennen die Körperwärme der Kitze. Auf dem kleinen Display erscheinen die Tiere als helle Punkte im dunklen Grün.
Das Verfahren hat sich bewährt. In anderen Regionen suchten Helfer mit solchen Drohnen in kurzer Zeit Flächen von mehreren hundert Hektar ab. In der Altmark etwa retteten Jäger auf 230 Hektar 39 Rehkitze in nur drei Tagen.
Bundesförderung bis zu 4.000 Euro
Der Bund unterstützt diese Arbeit finanziell. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat ein Förderprogramm aufgelegt. Ehrenamtliche Gruppen können bis zu 4.000 Euro für die Anschaffung von Drohnen mit Wärmebildkameras beantragen. Das senkt die Hürde für neue Initiativen erheblich.
Wichtige Regeln für Spaziergänger
Wer am Feldrand Taschen, Körbe oder Kisten stehen sieht, sollte diese nicht anfassen. Dahinter steckt oft kein Zufall. Rehkitzretter legen gefundene Kitze in solche Behälter. So schützen sie die Tiere, bis die Wiese gemäht ist. Danach setzen sie die Kitze an geeigneter Stelle wieder aus.
Ein berührtes Rehkitz trägt den menschlichen Geruch. Das kann dazu führen, dass die Mutter das Junge verstößt. Deshalb gilt: Abstand halten, nicht anfassen, weitergehen.
Rechtlicher Rahmen der Rettung
Rehkitzrettung ist rechtlich eine Form der Jagdausübung. Wer Kitze suchen und sichern will, braucht die Erlaubnis des zuständigen Revierinhabers. Die meisten Jäger und Jagdpächter arbeiten eng mit den Freiwilligen zusammen. Ohne diese Absprache darf niemand einfach auf fremdem Revier aktiv werden.
Zusammenarbeit zwischen Jägern und Landwirten
Landwirte können ihren Teil beitragen. Experten empfehlen, die Mährichtung anzupassen. Wer von innen nach außen mäht, treibt Wild in die Felder hinein. Besser ist es, von außen nach innen zu mähen. So haben Tiere die Möglichkeit zu fliehen.
Zusätzlich helfen bestimmte Mähmuster dabei, Tiere zu scheuchen, bevor das Messer ansetzt. Klappernde Ketten oder Wildscheuchgeräte vor dem Mähwerk sind weitere Hilfsmittel.
Fazit: Ehrenamt mit großer Wirkung
Die Rehkitzretter aus Melle stehen für ein wachsendes Netzwerk von Freiwilligen in der Region. Mit moderner Technik und klaren Absprachen retten sie jede Saison viele Jungtiere. Die Bundesförderung macht die Arbeit für neue Gruppen leichter. Wer in der Region mitmachen will, sollte Kontakt zu lokalen Jagdgenossenschaften oder Wildtierschutzvereinen aufnehmen.



