Osnabrücker Forscher warnt: AfD verliert nicht automatisch an Rückhalt
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Der Osnabrücker Politikwissenschaftler Alexander de Juan warnt davor, die AfD kleinzureden. Selbst wenn die Partei kommunalpolitisch wenig leistet, verliert sie nicht automatisch Wählerinnen und Wähler.
Schwache Kommunalarbeit schadet der AfD kaum
Im Osnabrücker Stadtrat brachte AfD-Vertreter Alexander Garder bei der letzten Ratssitzung vor der Kommunalwahl drei Anträge ein. Alle drei scheiterten. Die anderen Fraktionen lehnten sie geschlossen ab.
Solche Niederlagen scheinen die Partei jedoch nicht zu schwächen. De Juan erklärt das mit der besonderen Funktionslogik der AfD. Ihre Anhänger bewerten die Partei nicht nach parlamentarischen Erfolgen. Sie wählen sie aus anderen Motiven: Protest, Misstrauen gegenüber etablierten Parteien, Ablehnung der politischen Mitte.
Diese Wählergruppe bleibt stabil, solange das Grundgefühl der Unzufriedenheit anhält. Ob die AfD im Stadtrat gute Arbeit macht, spielt dabei eine untergeordnete Rolle.
Debatte um Strategie: Einbinden oder ausgrenzen?
Seit Monaten streiten Politikerinnen und Politiker über den richtigen Umgang mit der AfD. Die Frage lautet: Stärkt man die Partei, wenn man sie wie jede andere behandelt? Oder schadet man der Demokratie, wenn man sie dauerhaft ausgrenzt?
Im April 2025 diskutierten Fachleute in Osnabrück genau darüber. Ein klares Ergebnis gab es nicht. Auch ein Podium der Grünen in der Lagerhalle im Mai 2025 blieb ohne eindeutige Antwort. Die Frage, wie stark die AfD die Demokratie bedroht, wurde intensiv erörtert. Eine einheitliche Handlungsempfehlung fehlte am Ende.
De Juan positioniert sich in dieser Debatte klar. Wer darauf hofft, dass die AfD sich durch schlechte Regierungsarbeit selbst entzaubert, unterschätzt die Partei. Diese Hoffnung sei kein verlässliches politisches Konzept.
AfD in Osnabrück strukturell gewachsen
Im Februar 2024 gründete die AfD einen eigenen Kreisverband für die kreisfreie Stadt Osnabrück. Zuvor hatte es keinen eigenständigen Stadtverband gegeben. Wie stark die Partei in der Region tatsächlich verwurzelt ist, bleibt umstritten. Wahlergebnisse zeigen eine relevante Wählerschaft, im direkten kommunalpolitischen Betrieb blieb die Partei bislang ohne nennenswerte Durchsetzungskraft.
Verbotsdebatte läuft weiter
Parallel zur Strategiediskussion läuft die Debatte über ein mögliches AfD-Verbot. Befürworter sehen in der Partei eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Kritiker warnen vor einem Gegenteileffekt: Ein Verbot könnte die Partei zum Märtyrer machen.
De Juan mahnt zur Nüchternheit. Weder ein Verbot noch eine Entzauberung durch schlechte Arbeit seien sichere Wege. Wer die AfD ernsthaft zurückdrängen will, brauche inhaltliche Antworten auf die Themen, die ihre Wähler bewegen.
Nüchterne Analyse statt Zweckoptimismus
De Juans Analyse nimmt den anderen Parteien eine Hoffnung, auf die manche gerne setzen. Die AfD ist in Osnabrück und bundesweit keine Partei, die sich durch eigene Schwäche von selbst erledigt. Wer das glaubt, unterschätzt, wie tief das Misstrauen gegenüber dem politischen Betrieb in Teilen der Gesellschaft sitzt.



