Bildung

Osnabrück forscht weltweit führend: Physiotherapie für Musiker

Profisportler haben Physiotherapeuten, Profimusiker meist nicht. Dabei sind die körperlichen Belastungen enorm. An der Hochschule Osnabrück wird dieses Problem seit Jahren ernst genommen. Das Institut für angewandte Physiotherapie und Osteopathie (INAP/O) bietet Musikstudierenden eine eigene Sprechstunde an. Dazu kommt Forschung auf internationalem Niveau.

Stunden täglich am Instrument: ein Körper unter Dauerstress

Musiker und Tänzer trainieren oft mehrere Stunden täglich. Die Belastungen sind einseitig und wiederholen sich ständig. Das kann zu ernsthaften körperlichen Beschwerden führen. Schulter-Nacken-Probleme, fokale Dystonien oder Überlastungsschäden gehören zu den häufigen Folgen.

Genau hier setzt die Hochschule Osnabrück an. Seit zwei Jahrzehnten forscht Professor Christoff Zalpour zum Thema Physiotherapie bei Künstlerinnen und Künstlern. Sein Schwerpunkt: Musikererkrankungen erkennen, behandeln und verhindern.

Musikersprechstunde: Hilfe direkt am Campus

Das Institut für Musik (IfM) kooperiert eng mit dem INAP/O. Musikstudierende können sich nach persönlichem Bedarf physiotherapeutisch untersuchen und behandeln lassen. Die Sprechstunde steht allen Studierenden offen.

Bei Bedarf geht die Untersuchung weiter. Im spezialisierten Bewegungslabor, dem Motion Lab, werden Muskel- und Bewegungsaktivitäten beim Musizieren gemessen und analysiert. Die Studierenden spielen ihr Instrument, Sensoren erfassen die Bewegungen in Echtzeit.

Am INAP/O arbeiten akademisch ausgebildete Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten. Die Sprechstunde ist kein Zusatzangebot am Rand, sondern Teil eines gezielten Forschungsschwerpunkts.

Digitale Bewegungsanalyse: Forschung mit Zukunft

Eduard Wolf forscht an der Hochschule Osnabrück und promoviert gemeinsam mit der Universität Witten/Herdecke. Er untersucht, wie biomechanische Daten aufbereitet werden können. Ziel ist es, Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten bei Therapieentscheidungen konkret zu unterstützen.

Die digitale Bewegungsanalyse soll helfen, Probleme früher zu erkennen. Behandlungen sollen dadurch gezielter werden. Wolf nutzt dafür das Motion Lab der Hochschule Osnabrück.

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Mehrere Fakultäten arbeiten zusammen

Der Forschungsschwerpunkt trägt den Namen MusicPhysioAnalysis. Er verbindet mehrere Bereiche der Hochschule. Beteiligt sind die Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, die Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik, das Institut für Musik sowie das INAP/O.

Diese Kombination ist ungewöhnlich. Ingenieure, Physiotherapeuten und Musikpädagogen arbeiten gemeinsam an einem Problem. Das macht den Osnabrücker Ansatz besonders.

Weltweite Anerkennung für Osnabrücker Forschung

Die Arbeit der Hochschule hat internationale Aufmerksamkeit erzeugt. Forschungsergebnisse wurden auf Fachkongressen vorgestellt, darunter Symposien zur Physiotherapie und Stoßwellentherapie. Themen wie Triggerpunktbehandlung bei Musikern oder fokale Dystonien wurden wissenschaftlich aufbereitet.

Die Hochschule gilt in diesem Spezialgebiet als weltweit führend. Das ist für eine Fachhochschule einer mittelgroßen Stadt eine bemerkenswerte Position.

Fazit: Osnabrück setzt Maßstäbe

Die Hochschule Osnabrück schließt eine Lücke, die andernorts kaum beachtet wird. Musiker brauchen genauso wie Sportler gezielte physiotherapeutische Begleitung. Mit Sprechstunden, Sensorforschung und interdisziplinärer Zusammenarbeit zeigt Osnabrück, wie das geht. Andere Hochschulen und Orchester könnten von diesem Modell lernen.

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