Mehr Gäste, aber kaum Gewinn: Tourismus unter Kostendruck
Über 900.000 Übernachtungen im ersten Quartal 2024: Die Wirtschaftsregion Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim verzeichnet starke Besucherzahlen. Dennoch blickt die Tourismusbranche mit Sorge in die Zukunft. Hohe Kosten und schwierige Rahmenbedingungen drücken auf die Stimmung der Betriebe.
Gute Saison, aber kritischer Ausblick
84 Prozent der befragten Unternehmen in der Region bewerten die laufende Saison als gut oder befriedigend. Das geht aus der Herbstumfrage 2024 der IHK Niedersachsen hervor. Die Nachfrage stimmt also. Doch der wirtschaftliche Druck bleibt hoch.
Anke Schweda, Geschäftsbereichsleiterin Standortentwicklung der IHK Osnabrück, betont die positive Entwicklung der Übernachtungszahlen. Die Region gehöre zu den gefragtesten Reisezielen in Niedersachsen. Gleichzeitig warnt die IHK vor strukturellen Problemen, die das Wachstum bremsen könnten.
Kosten fressen Gewinne auf
Die Energiekosten sind seit Jahren hoch. Materialpreise sind gestiegen. Dazu kommen neue Abgaben, die die Betriebe zusätzlich belasten. Bettensteuern und Verpackungssteuern sind zwei Beispiele. Sie treffen vor allem kleinere Betriebe hart.
Der IHK-Fachausschuss Tourismus fordert deshalb klare politische Entlastungen. Die Wettbewerbsfähigkeit der Branche stehe auf dem Spiel, heißt es. Bürokratieabbau sei dabei ein zentrales Anliegen. Viele Betriebe verlören wertvolle Zeit durch übermäßige Verwaltungsarbeit.
Investitionen werden verschoben
Ein deutliches Signal sendet das Gastgewerbe bei den Investitionen. Trotz stabiler Gästezahlen halten sich viele Betriebe zurück. Modernisierungen werden aufgeschoben. Neuanschaffungen bleiben aus. Der Grund ist klar: Die finanzielle Lage lässt wenig Spielraum.
Wer kaum Rücklagen bilden kann, investiert nicht. Das gilt für Hotels ebenso wie für Gaststätten und Pensionen. Langfristig gefährdet das die Qualität des Angebots in der Region.
Politische Forderungen der IHK
Die IHK Osnabrück macht klare Ansagen in Richtung Politik. Die Tourismuswirtschaft dürfe nicht als Steinbruch für neue Abgaben dienen. Stattdessen brauche es verlässliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie.
Konkret fordert der Fachausschuss Tourismus den Verzicht auf neue Sonderabgaben. Außerdem solle die Politik klare Zuständigkeiten schaffen. Für Betriebe sei es oft unklar, welche Behörde für welches Thema zuständig ist. Das koste Zeit und Geld.
Fachkräftemangel als Dauerthema
Neben den Kostenproblemen bleibt der Fachkräftemangel ein großes Thema. Viele Betriebe im Gastgewerbe finden keine geeigneten Mitarbeiter. Das gilt besonders für ländliche Regionen im Emsland und der Grafschaft Bentheim. Offene Stellen können oft monatelang nicht besetzt werden.
Die IHK sieht hier sowohl Betriebe als auch die Politik in der Pflicht. Ausbildung müsse attraktiver werden. Arbeitsbedingungen im Gastgewerbe müssten sich verbessern. Nur so lasse sich der Nachwuchs sichern.
Fazit: Wachstum allein reicht nicht
Die Übernachtungszahlen in der Region Osnabrück-Emsland sind erfreulich. Sie allein sagen aber wenig über die wirtschaftliche Gesundheit der Betriebe aus. Hohe Kosten, neue Abgaben und fehlende Investitionen zeigen: Die Branche steht unter echtem Druck. Die IHK fordert jetzt politisches Handeln, bevor aus der angespannten Lage eine strukturelle Krise wird.



