Wirtschaft

Lingen: Stadtbaurat Schreinemacher balanciert Sanierungsinteressen

In Lingen läuft ein Wohnraumsanierungsprojekt, das selten gelingt: Investoren sollen Rendite erzielen, Mieter bezahlbar wohnen bleiben und die Stadt ihren städtebaulichen Anspruch durchsetzen. Stadtbaurat Lothar Schreinemacher hat dafür einen Modernisierungsvertrag verhandelt, der alle drei Seiten einbindet.

Schreinemacher: Eine prägende Figur im Lingener Stadtbau

Lothar Schreinemacher ist seit November 2013 Stadtbaurat der Stadt Lingen. Der Stadtrat hat ihn zuletzt mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt. 39 Ratsmitglieder stimmten für ihn, nur eines dagegen. Der 60-Jährige bleibt damit weitere acht Jahre im Amt.

Er leitet das Dezernat III. Dazu gehören die Fachbereiche Stadtplanung und Hochbau sowie Tiefbau. Oberbürgermeister Krone lobte Schreinemachers Fachwissen bei der Wiederwahl ausdrücklich. Er habe sich in Lingen einen hervorragenden Namen erarbeitet, so Krone.

Diese Reputation nutzt Schreinemacher nun bei einem sensiblen Thema: der Wohnraumsanierung im Stadtgebiet.

Der Modernisierungsvertrag: Drei Seiten, ein Ziel

Wohnraumsanierung erzeugt regelmäßig Konflikte. Investoren wollen modernisieren und die Kosten auf die Miete umlegen. Mieter fürchten steigende Belastungen. Die Stadt will Wohnqualität sichern, ohne soziale Verwerfungen zu riskieren.

Schreinemacher hat laut verfügbaren Berichten einen Modernisierungsvertrag so gestaltet, dass alle drei Interessen berücksichtigt werden. Konkret bedeutet das: Investoren erhalten Planungssicherheit und können modernisieren. Mieter werden vor übermäßigen Mietsteigerungen geschützt. Die Stadt setzt städtebauliche Standards durch.

Ob das gelingt, bezeichnen Beobachter als Versuch einer Quadratur des Kreises. Denn die Interessen widersprechen sich grundsätzlich. Ein Investor, der modernisiert, will die Kosten refinanzieren. Ein Mieter, der bleibt, will möglichst wenig zahlen.

Wohnraumsanierung als stadtpolitische Aufgabe

Lingen wächst. Die Stadt im Emsland hat rund 57.000 Einwohner und zählt zu den dynamischeren Mittelstädten in Niedersachsen. Der Wohnungsmarkt reagiert auf diese Entwicklung. Ältere Bestände müssen saniert werden, wenn sie langfristig nutzbar bleiben sollen.

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Energetische Sanierung spielt dabei eine zentrale Rolle. Dämmung, Heiztechnik und Fenster verursachen hohe Kosten. Diese Investitionen zahlen sich langfristig aus, belasten aber kurzfristig die Haushaltskassen von Eigentümern und, über die Mietumlage, auch die von Mietern.

Die Stadt Lingen versucht, diesen Prozess aktiv zu steuern. Schreinemacher steht für diesen Ansatz. Er setzt auf Verträge statt auf Konfrontation. Das Ziel: Modernisierung ohne Verdrängung.

Nordhorner Investoren als Beispiel

Dass Lingen auch bei größeren Umbauprojekten aktiv ist, zeigt ein weiteres Beispiel. Nordhorner Investoren bauen die alte Kreissparkasse in Lingen um. Auch hier ist Schreinemachers Dezernat eingebunden. Der Umbau historischer Gebäude zu neuem Wohnraum oder Gewerbeflächen ist ein weiterer Baustein der Lingener Stadtentwicklung.

Kritische Stimmen gibt es dennoch

Nicht alle Bauprojekte in Lingen laufen ohne Widerspruch. Das Antonius-Domizil der St. Bonifatius-Hospitalgesellschaft steht in der Kritik. Anwohner zweifeln an der genehmigten Planung. Das zeigt: Auch in Lingen ist Stadtentwicklung kein konfliktfreier Prozess. Bürgerbeteiligung und Transparenz bleiben Dauerthemen.

Fazit: Lingener Modell mit Modellcharakter?

Stadtbaurat Schreinemacher versucht in Lingen, einen pragmatischen Weg zu gehen. Er verhandelt Verträge, die Kompromisse ermöglichen. Ob das Lingener Modell der Wohnraumsanierung dauerhaft funktioniert, wird sich zeigen. Die breite Wiederwahl durch den Stadtrat signalisiert: Die Politik in Lingen steht hinter diesem Kurs. Das gibt Schreinemacher den Rückhalt, den er für diese schwierige Aufgabe braucht.

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