Bildung

Levit erhält Ehrendoktor: Dankesrede über Antisemitismus und Mut

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Im Schloss der Universität Osnabrück war es ein ungewöhnlicher Abend. Am 12. Juni verlieh die Hochschule dem weltbekannten Pianisten Igor Levit die Ehrendoktorwürde. Der Festakt begann um 18 Uhr. Und Levit nutzte seinen Auftritt für mehr als einen höflichen Dank.

Ehrung für Kunst und Haltung

Der Fachbereich Erziehungs- und Kulturwissenschaften zeichnete Levit gemeinsam mit dem Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik aus. Die Universität ehrte ihn als Künstler. Aber nicht nur das. Auch sein öffentliches Eintreten gegen Antisemitismus spielte bei der Entscheidung eine Rolle.

Für Levit ist es die erste Ehrendoktorwürde seiner Karriere. Verliehen wurde sie ausgerechnet in Osnabrück, einer Stadt, die für ihre Friedenstradition bekannt ist. Der Westfälische Frieden von 1648 wurde hier mitverhandelt. Ein symbolisch aufgeladener Ort für eine Ehrung, die auch politische Botschaften trägt.

Eine Dankesrede mit klarer Botschaft

Levit sprach in seiner Rede über Antisemitismus. Er sprach über Opportunismus. Und er sprach über seine eigene jüdische Identität. Der 7. Oktober 2023 habe ihn traumatisiert, hatte er in anderen Zusammenhängen erklärt. Diese Erfahrung prägt seinen öffentlichen Auftritt bis heute.

Levit sagte, er sei lange Zeit nicht als Jude wahrgenommen worden. Auch nicht von sich selbst. Das habe sich verändert. Der Angriff der Hamas auf Israel sei für ihn eine Zäsur gewesen. Seitdem spreche er offener über seine Herkunft und seine Identität.

Seine Dankesrede soll auch persönliche Töne getragen haben. Berichtet wird, dass er dabei auch seine erste Zigarre erwähnte. Ein kleines Detail, das den Ernst des Abends kurz auflockerte.

Kritik an gesellschaftlichem Schweigen

Levit ist bekannt dafür, dass er sich nicht auf die Rolle des stillen Künstlers beschränkt. Er nutzt öffentliche Plattformen, um politisch Stellung zu beziehen. Dabei eckt er an. Kritiker werfen ihm Einseitigkeit vor. Unterstützer sehen in ihm eine wichtige Stimme gegen Hass und Gleichgültigkeit.

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In Osnabrück machte er erneut deutlich: Wer schweigt, macht sich mitschuldig. Opportunismus sei eine der gefährlichsten Haltungen in einer Demokratie. Das gelte für die Kunst. Und es gelte für die Gesellschaft insgesamt.

Pianist mit politischer Stimme

Igor Levit wurde 1987 in Nizhny Novgorod geboren. Mit acht Jahren kam er nach Deutschland. Er studierte in Hannover und gilt heute als einer der bedeutendsten Pianisten seiner Generation. Besonders seine Interpretationen von Bach, Beethoven und Schostakowitsch haben ihm internationale Anerkennung eingebracht.

Neben seiner musikalischen Karriere ist Levit als politischer Kommentator aktiv. Er engagiert sich gegen Rechtsextremismus und für Demokratie. Sein Twitter-Profil, heute bekannt als X, hat ihm viele Debatten eingebracht. Manche begrüßen seine Offenheit. Andere fordern, Künstler sollten sich aus der Politik heraushalten.

Die Universität Osnabrück hat mit ihrer Entscheidung ein Zeichen gesetzt. Sie ehrt nicht nur den Musiker. Sie ehrt auch den Menschen, der Haltung zeigt.

Fazit

Die Verleihung der Ehrendoktorwürde an Igor Levit war kein gewöhnlicher Festakt. Levit nutzte die Bühne, um unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Das gehört zu seiner Persönlichkeit. Die Universität Osnabrück hat damit eine Wahl getroffen, die über den akademischen Betrieb hinausweist. Sie stellt sich hinter einen Künstler, der Kunst und Verantwortung nicht voneinander trennt.

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