Kliniken in Osnabrück: Fusion stockt, Defizite wachsen

Der Zusammenschluss der drei großen Osnabrücker Krankenhäuser verzögert sich. Das Klinikum Osnabrück und zwei Kliniken des Niels-Stensen-Verbunds haben zwar eine Absichtserklärung unterzeichnet. Doch aus dem erhofften zügigen Vereinigungsprozess wird offenbar nichts. Der Weg zur gemeinsamen Holding ist länger als gedacht.
Warum die Kooperation dringend nötig ist
Die Ausgangslage ist ernst. Beide Häuser kämpfen mit Defiziten im zweistelligen Millionenbereich. Teure Doppelstrukturen belasten die Kassen. Bisher konkurrierten die Kliniken teilweise direkt miteinander. Das kostet Geld, das keines der Häuser hat.
Gemeinsame Ziele wurden bereits formuliert und schriftlich festgehalten. Beide Seiten sind sich einig: Ein Weiter-so kann es nicht geben. Getrennte Abteilungen für dieselben Fachbereiche, parallele Einkaufsstrukturen und ineffiziente Abläufe sollen der Vergangenheit angehören.
Erste Schritte sind bereits sichtbar. So teilen sich die Niels-Stensen-Kliniken und das Klinikum Osnabrück bereits die Labordiagnostik. Diese Zusammenarbeit soll Kosten senken und gleichzeitig die Versorgung der Patienten verbessern.
Berlin funkt dazwischen
Ein wesentliches Hindernis kommt aus der Bundespolitik. Die Krankenhausreform der Bundesregierung wirft ihren Schatten voraus. Viele Entscheidungen auf lokaler Ebene hängen davon ab, wie die Reform letztlich ausgestaltet wird. Solange diese Fragen offen sind, bleibt auch die Planung in Osnabrück schwierig.
Die Reform soll Krankenhäuser bundesweit neu strukturieren. Welche Leistungen welches Haus künftig noch anbieten darf, ist noch nicht abschließend geklärt. Das beeinflusst direkt die Frage, welches Osnabrücker Krankenhaus künftig welche Patienten behandelt.
Intensive Gespräche über Patientenverteilung
Genau diese Frage beschäftigt die Beteiligten derzeit besonders. Welche Erkrankungen werden künftig wo behandelt? Darüber laufen zwischen Klinikum und Niels-Stensen-Kliniken intensive Gespräche. Eine klare Aufgabenteilung ist Voraussetzung für die geplante Holding-Struktur.
Eine Holding soll beide Träger unter einem gemeinsamen Dach vereinen. Die rechtliche und organisatorische Eigenständigkeit der einzelnen Häuser bliebe dabei zunächst erhalten. Die Koordination von Investitionen, Einkauf und Strategie würde jedoch zusammengeführt.
Personalkosten belasten die Bilanz
Neben den strukturellen Fragen drücken auch die laufenden Kosten. Das Klinikum Osnabrück weist laut Krankenhaus-Finanzreport Niedersachsen eine leicht erhöhte Personalaufwandsquote im Vergleich zu anderen Häusern auf. Gestiegene Mitarbeiterzahlen und höhere Tarifentgelte haben dazu beigetragen.
Pandemiebedingte Sonderzahlungen hatten die Zahlen in der Vergangenheit noch gestützt. Diese Zahlungen fallen nun weg. Das macht die finanzielle Lage der Häuser noch angespannter.
Fazit: Richtung stimmt, Tempo fehlt
Die Richtung ist klar. Alle Beteiligten wissen, dass eine enge Zusammenarbeit der Osnabrücker Kliniken unumgänglich ist. Die Absichtserklärung ist unterzeichnet, erste gemeinsame Projekte laufen. Doch von der geplanten Holding ist man noch ein gutes Stück entfernt. Bundespolitik, offene Strukturfragen und finanzielle Belastungen bremsen den Prozess. Für die Patienten in Osnabrück bleibt zu hoffen, dass die Beteiligten das Tempo erhöhen.



