IHK: Ärztemangel schadet Wirtschaft in Osnabrück und Emsland
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Der Hausärztemangel in der Region Osnabrück, Emsland und Grafschaft Bentheim ist nach Einschätzung der IHK kein reines Gesundheitsproblem mehr. Er wird zum Wirtschaftsfaktor. IHK-Präsident Uwe Goebel warnt: Ohne ausreichende medizinische Grundversorgung verliert die Region an Standortqualität.
Ärztlicher Versorgungsengpass trifft Arbeitgeber und Beschäftigte
Wer Fachkräfte in die Region holen will, muss mehr bieten als einen Arbeitsplatz. Wohnortqualität, Infrastruktur und Gesundheitsversorgung zählen dabei. Gerade für Familien mit Kindern ist ein erreichbarer Hausarzt ein wichtiges Kriterium bei der Wohnortwahl.
Wenn Hausarztpraxen fehlen oder überlastet sind, wirkt sich das direkt auf Unternehmen aus. Beschäftigte haben Schwierigkeiten, zeitnah medizinische Hilfe zu bekommen. Krankenstände können steigen. Und potenzielle neue Mitarbeiter wählen Regionen mit besserer Versorgung.
Die IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim sieht den Hausärztemangel deshalb als klaren Standortnachteil. Das Thema betrifft Städte und ländliche Gebiete gleichermaßen, trifft aber vor allem kleinere Gemeinden im Emsland und in der Grafschaft Bentheim hart.
Goebel: Unternehmen stehen unter mehrfachem Druck
IHK-Präsident Uwe Goebel macht auf eine schwierige Gemengelage aufmerksam. Die regionalen Unternehmen kämpfen bereits mit schwacher Konjunktur und hohen Kosten. Gleichzeitig steigen in vielen Kommunen die Steuern.
Zehn Kommunen in der Region haben zuletzt die Grundsteuer A angehoben, zwölf die Grundsteuer B. Das erhöht die Betriebskosten für viele Unternehmen spürbar. Goebel kritisiert diese Entwicklung deutlich: Weitere Belastungen seien in der aktuellen Lage kaum tragbar.
Zum Hausärztemangel kommt damit ein weiterer Standortnachteil hinzu. Die Kombination aus steuerlicher Belastung, schwachem wirtschaftlichem Umfeld und mangelnder Infrastruktur beunruhige die regionale Wirtschaft.
Strukturelles Problem mit langer Geschichte
Der Rückgang der Hausarztdichte ist kein neues Phänomen. Viele Allgemeinmediziner gehen in den kommenden Jahren in Rente. Junge Ärztinnen und Ärzte entscheiden sich seltener für eine eigene Landarztpraxis. Der Aufwand ist hoch, die Vergütung gilt vielen als unzureichend.
Staatliche Programme sollen Abhilfe schaffen. Niedersachsen fördert die Niederlassung von Hausärzten in unterversorgten Gebieten. Ob diese Maßnahmen ausreichen, ist in der Fachwelt umstritten.
Für die IHK reicht das bisher nicht. Die Kammer fordert, das Thema als wirtschaftspolitische Aufgabe zu begreifen, nicht nur als gesundheitspolitische. Kommunen, Kassenärztliche Vereinigung, Land und Wirtschaft müssten gemeinsam handeln.
Region muss attraktiv bleiben
Der Wettbewerb um Fachkräfte findet längst auch auf regionaler Ebene statt. Unternehmen in Osnabrück und dem Emsland konkurrieren mit Ballungsräumen um qualifizierte Arbeitskräfte. Ein Vorteil der Region war bisher die Lebensqualität: bezahlbares Wohnen, Natur, gute Schulen.
Fehlt künftig die medizinische Grundversorgung, bröckelt dieses Argument. Die IHK sieht hier Handlungsbedarf: Es geht darum, bestehende Fachkräfte zu halten und neue zu gewinnen.
Wirtschaft und Gesundheitsversorgung hängen zusammen
Hausärztemangel ist kein isoliertes Thema der Gesundheitspolitik. Er berührt direkt die Wettbewerbsfähigkeit einer Region. Die IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim fordert Kommunen und Politik auf, zu handeln, bevor der Schaden für den Standort greifbar wird.



