Gedenkstätte geschändet: Hakenkreuz am Mahnmal Alte Synagoge
Unbekannte haben das Mahnmal Alte Synagoge in Osnabrück beschädigt. In die Gedenktafeln an der Alte-Synagogen-Straße wurden ein Hakenkreuz und das Wort ‚Opfer‘ gekratzt. Die Tat fiel auf den 9. November, den Jahrestag der Pogromnacht von 1938.
Angriff auf einen besonderen Gedenkort
Das Mahnmal erinnert an die Osnabrücker Synagoge, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 von den Nationalsozialisten zerstört wurde. Es steht in der Alte-Synagogen-Straße, direkt auf den Grundmauern der ehemaligen jüdischen Schule.
Ein gebrochener Davidstern ist das zentrale Symbol des Mahnmals. Er steht für das zerstörte jüdische Leben in Osnabrück. Die Botschaft des Ortes ist eindeutig: Erinnern, mahnen, nie vergessen.
Dass genau an diesem Ort und genau an diesem Datum ein Hakenkreuz eingeritzt wurde, ist kein Zufall. Die Wahl des Datums macht die Tat zu einem gezielten Angriff auf das Gedenken.
Mahnmal entstand mit breiter Beteiligung
Das Mahnmal wurde im Jahr 2004 errichtet. Mehr als 120 Berufsschüler und Auszubildende beteiligten sich damals am Bau. Es war ein bewusstes Signal der Stadtgesellschaft für Erinnerung und Verantwortung.
Seit 2007 werden in Osnabrück zudem Stolpersteine verlegt. Sie erinnern an einzelne Opfer der NS-Zeit und ergänzen das Gedenken im Stadtbild. Die Steine finden sich im gesamten Stadtgebiet.
Die jüdische Gemeinde Osnabrück legte am Jahrestag der Pogromnacht Kränze am Mahnmal nieder. Kantor Baruch Chauskin sprach ein Gebet für die Opfer der Shoa. Er fügte ein weiteres Gebet für die Opfer des Angriffs auf Israel vom 7. Oktober 2023 hinzu.
Schändung trifft die Gemeinschaft im Gedenkmoment
Die Beschädigung der Gedenktafeln trifft die Stadt zu einem besonders sensiblen Zeitpunkt. Der November steht in Osnabrück traditionell im Zeichen des Gedenkens. Veranstaltungen, Kranzniederlegungen und Gebete gehören zum festen Kalender.
Der Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 hatte die Gedenkveranstaltungen in diesem Jahr ohnehin unter besonderem Druck stehen lassen. Die Schändung des Mahnmals kurz darauf verschärft diese Stimmung weiter.
Antisemitismus sichtbar im öffentlichen Raum
Hakenkreuze an Gedenkstätten sind in Deutschland keine Ausnahme. Bundesweit werden immer wieder solche Taten gemeldet. Sie zeigen: Antisemitismus bleibt ein reales Problem, auch im öffentlichen Raum.
In Osnabrück steht die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit seit Jahrzehnten für den Dialog zwischen den Religionen. Solche Taten stellen diese Arbeit vor neue Herausforderungen.
Fazit: Erinnern reicht nicht, es braucht Schutz
Die Schändung des Mahnmals Alte Synagoge zeigt: Gedenkstätten sind keine selbstverständlich sicheren Orte. Das Einritzen eines Hakenkreuzes am Jahrestag der Pogromnacht ist eine bewusste Provokation. Sie richtet sich gegen die Opfer, gegen die Erinnerungskultur und gegen die jüdische Gemeinschaft in Osnabrück. Gedenken allein schützt nicht. Es braucht auch Wachsamkeit und klare gesellschaftliche Reaktion.



