Bersenbrück baut Faulturm: Klärschlamm soll Energie liefern
Bersenbrück investiert in seine Abwasserinfrastruktur. Die Kläranlage der Stadt im Landkreis Osnabrück soll eine neue Klärschlammfaulungsanlage erhalten. Das Vorhaben verbindet Umweltschutz mit Energiegewinnung und löst gleichzeitig ein wachsendes Entsorgungsproblem.
Was eine Faulungsanlage leistet
Klärschlamm entsteht bei jeder Abwasserreinigung. Er ist eine Mischung aus organischen und anorganischen Stoffen, die sich bei der Reinigung am Beckenboden absetzen. Bislang muss dieser Schlamm aufwendig abtransportiert und extern entsorgt werden.
Eine Faulungsanlage ändert das grundlegend. Im sogenannten Faulturm wird der Schlamm unter kontrollierten Bedingungen von Bakterien abgebaut. Dabei entsteht Faulgas, das zu einem großen Teil aus Methan besteht. Dieses Gas lässt sich direkt zur Strom- und Wärmeerzeugung nutzen.
Der Prozess hat noch einen weiteren Vorteil: Der behandelte Schlamm verliert seinen intensiven Geruch. Er wird in einen geruchsarmen Zustand versetzt und ist leichter zu handhaben.
Kleinstädte vor besonderen Herausforderungen
Für Kommunen wie Bersenbrück ist die eigene Schlammbehandlung besonders wichtig. Kleine und mittelgroße Kläranlagen in ländlichen Regionen haben es schwerer als Großstadtanlagen. Sie müssen ihren Klärschlamm oft über weite Strecken transportieren lassen.
Das kostet Geld und belastet die Umwelt. Fahrten mit Tankwagen und Lkw verursachen Emissionen. Eine eigene Faulungsanlage macht die Gemeinde unabhängiger von externen Entsorgern.
Hinzu kommt eine neue gesetzliche Lage. Klärschlamm darf künftig nicht mehr als Düngemittel auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werden. Die bisherige Entsorgungsoption fällt damit weg. Kommunen müssen auf andere Wege umsteigen.
Energie aus dem Abwasser der Stadt
Der energetische Aspekt des Projekts ist erheblich. Kläranlagen gehören zu den größten Stromverbrauchern in Kommunen. Pumpen, Belüftungsanlagen und Heizungen laufen rund um die Uhr.
Mit einer eigenen Faulungsanlage kann eine Kläranlage einen erheblichen Teil ihres Energiebedarfs selbst decken. Das Faulgas wird in einem Blockheizkraftwerk verbrannt. Dabei entstehen gleichzeitig Strom und Wärme. Die Wärme lässt sich wiederum für den Heizungsbedarf der Anlage selbst nutzen.
Einige moderne Anlagen erzeugen auf diese Weise bereits mehr als die Hälfte ihres eigenen Strombedarfs. Für Bersenbrück wäre das ein deutlicher Schritt hin zu mehr Autarkie.
Kapazitätserweiterung als weiteres Ziel
Neben der Energiegewinnung und der Geruchsreduzierung soll die neue Anlage auch die Kapazitäten der Kläranlage erweitern. Bersenbrück wächst. Mehr Einwohner bedeuten mehr Abwasser und mehr Schlamm.
Die bisherige Infrastruktur stößt an Grenzen. Die Faulungsanlage soll helfen, diese zu überwinden. Durch die effizientere Schlammbehandlung wird Volumen reduziert. Das entlastet die gesamte Anlage.
Ein Modell für die Region
Das Projekt in Bersenbrück steht nicht allein. Bundesweit rüsten Kommunen ihre Kläranlagen auf. Der Trend geht zur energieautarken Abwasserreinigung. Fossil betriebene Anlagen sollen schrittweise umgestellt werden.
Auch im Landkreis Osnabrück stellt sich die Frage, wie Abwasserinfrastruktur langfristig finanzierbar und klimaverträglich bleibt. Bersenbrück gibt mit seinem Vorhaben eine konkrete Antwort darauf.
Fazit
Die geplante Klärschlammfaulungsanlage in Bersenbrück ist mehr als ein technisches Bauprojekt. Sie verbindet Klimaschutz, Energieeffizienz und kommunale Daseinsvorsorge. Aus einem Abfallprodukt wird ein Rohstoff. Die Stadt macht damit einen konkreten Schritt weg von externer Abhängigkeit und hin zu eigenem Ressourcenmanagement.



