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- osnabrueck-net verlost fünf Taschenbücher aus der Reihe Jerry Cotton (Bastei Verlag, 2009): Mir gehört New York / Wenn die Schatten kommen / U-1000 - Terror aus dem Meer. Einfach eine Mail schicken an: info@osnabrueck-net.de, Stichwort: JERRY COTTON. Adresse nicht vergessen! Einsendeschluss ist Montag, der 26. Oktober 2009. Viel Glück!
Die Buchrezension der Woche von Kirsten Braselmann
Shanghai in den dreißiger Jahren: Das Leben der Schwestern Pearl und May erfährt eine plötzliche, einschneidende Veränderung. Gerade noch waren sie hübsche, verwöhnte Werbemädchen, die ihren Eltern auf der Nase herumtanzten, die Traditionen verachteten und sich so westlich wie möglich gaben, und nun will ihr Vater sie plötzlich mit Männern verheiraten, die sie noch nie gesehen haben.
Pearl und May weigern sich kategorisch – arrangierte Ehen sind völlig überholt, und außerdem gibt es schon zwei junge Männer, die ihre Herzen höher schlagen lassen. Allerdings wird ihnen schnell klar gemacht, dass sie keine Wahl haben: Ihr Vater hat das gesamte Vermögen verspielt, und er schuldet den falschen Leuten Geld. Die arrangierten Ehen sind der einzige Ausweg für die Familie. Wie vor den Kopf geschlagen lassen die Mädchen die Zeremonie über sich ergehen – aber sie wollen ihren Männern nicht nach Amerika folgen.
Doch in China zu bleiben, erweist sich als schlechte Entscheidung: Die Japaner greifen an, und China hat ihnen kaum etwas entgegen zu setzen.
Durch das vom Krieg zerrissene Land kämpfen die Schwestern sich zum Schiff und verlieren auf dem Weg alles, was ihnen noch geblieben war – außer einander. Sie teilen Geschichten und Geheimnisse, die sie für immer aneinander binden, vor allem in dem neuen Leben, das sie in Amerika führen. Entgegen aller Erwartungen ist die Familie, in die sie eingeheiratet haben, den alten chinesischen Traditionen verpflichtet, und das westliche Leben, von dem sie geträumt haben, rückt in weite Ferne. Die ehemals überall beliebten Mädchen müssen sich damit auseinandersetzen, dass sie als Chinesen in Amerika nicht gern gesehen sind.
Und über die kulturellen Probleme hinaus dämmert den Mädchen langsam, dass es in der neuen Familie ebenfalls Geheimnisse gibt, die ihnen allen vielleicht gefährlich werden können…
„Töchter aus Shanghai“ ist ein atmosphärisch dichter Roman, der durch jede Menge liebevoll ausgearbeitete Details klare Bilder vor das Auge des Lesers zaubert.
Die Person der Protagonistin und Ich-Erzählerin wird unmittelbar dargestellt, ohne Distanz erzählt sie von ihrer Weltsicht, ihrem Inneren, ihrer Geschichte – und ihrer Schwester, an der sie hängt und die sie immer wieder zur Verzweiflung treibt. Wenn man sich also fast das ganze Buch über mit Pearls Standpunkt vertraut gemacht hat, ist es fast ein Schock, in einem Gespräch eine ganz andere Seite dargelegt zu bekommen, aber es ist wirklich fantastisch gemacht.
Lisa See verfügt über einen wundervollen Stil; so dramatisch die Geschichte der Schwestern ist, so ruhig wird sie erzählt. Die tragischsten Wendungen werden mit leisen Tönen erklärt, und die Exotik der Lebenswelt der Protagonistinnen wird so perfekt eingefangen und wiedergegeben.
Die Diskrepanz des Shanghai der Wohlhabenden, in dem die Mädchen aufgewachsen sind, und dem Shanghai des Elends und der Armut, mit dem sie plötzlich konfrontiert sind, wird so anschaulich dargestellt, dass es wie ein Schlag in die Magengrube wirkt. Ähnlich ergreifend ist die Schilderung von China City, in dem die Mädchen in Los Angeles leben und arbeiten und das ein billiger, verzerrter Abklatsch ihrer fernen Heimat ist.
Lisa See ist Amerikanerin chinesischer Abstammung und hat sich mit dem Schicksal derer, die von China aus nach Amerika gekommen sind, eingehend beschäftigt. „Töchter aus Shanghai“ ist ihr dritter China-Roman und nach sorgfältiger Recherche sowohl von privater wie auch globaler Geschichte entstanden. Doch auch, wenn die Autorin jede Menge Material zusammen getragen hat: Zu einer wunderschönen, traurigen und zauberhaften Geschichte kann solche Bruchstücke nur zusammen fügen, wer über ausgeprägtes Talent und Feingefühl verfügt. Lisa See gehört diesen Leuten, und ihr vorliegender Roman ist uneingeschränkt zu empfehlen.
Fazit: Lesen!
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