Kunst & Kultur / Kulturnachrichten

6.05.2004

6.05.2004

  • "Growth Spurt": Die Weidentore des US-Künstlers Patrick Dougherty in Osnabrück sind vollendet

Unübersehbare verzweigte fünf Meter hoch, überdimensional und einzigartig: Das sind die Weidentore des US-amerikanischen Land-Art-Künstlers Patrick Dougherty am Heger Tor in Osnabrück. Nach dreiwöchiger Arbeit ist das Kunstwerk aus Ruten und Zweigen von Weide, Haselnuss und Hartriegel jetzt vollendet.

Der Einfluss der architektonischen Umgebung gab Patrick Dougherty die Idee für seine Arbeit. Als markanter Platz an einem Verkehrsknotenpunkt der Stadt diente das Heger Tor nicht nur als Standort, sondern auch als Vorlage. So schuf der Künstler vier, wie es scheint, vom Wind geneigte verwirbelte Tore. Jedes einzelne ist begehbar und hat Fenster und Türen. Diese erlauben Einblicke von außen nach innen, um die nestartigen Räume zu entdecken. Ebenso ist aber auch einen Ausblick von innen nach außen möglich, um die Perspektive dieses historischen Ortes einmal anders wahrnehmen zu können. Der Blick in den Himmel ist von jedem Raum in jedem Tor frei. In diesen "Nestern" fühlt sich der Betrachter geborgen und geschützt.

Seiner Arbeit den Titel "Growth Spurt", was sinngemäß "Wachstumsschub" heißt, zu geben, entschied Dougherty, nachdem er die rasche Entwicklung der Natur im Frühling während seiner Arbeit am Heger Tor beobachtet hat.

Seine Vorgehensweise beim Bau der Tore war ähnlich der, die Vögel beim Nestbau anwenden. Zuerst verankerte Patrick Dougherty für jedes einzelne Tor junge Weidenstämme für die strukturelle Stabilität im Boden. Über dieses Gerüst aus

Jungstämmen zog er ein großflächiges Netz aus stärkeren Ruten. Anschließend wurden viele kleine Äste und Zweige mit den stärkeren Ruten verwebt.

Die verwendeten Materialien stammen ausschließlich aus den natürlichen Ressourcen der Region Osnabrück. Der Künstler benutzte keine zusätzlichen Hilfsmittel wie Nägel oder Schrauben. Zahlreiche freiwillige Helfer unterstützten Dougherty bei seiner Arbeit.

Patrick Dougherty liebt die Öffentlichkeit und hat zahlreiche Gespräche mit zufällig vorbeikommenden Menschen geführt. Gerne kommt er mit unterschiedlichen Personen ins Gespräch und berichtet über seine künstlerischen Ideen und seine Arbeitsweise. Erst skeptisch, was am Heger Tor passieren wird, dann aber begeistert haben die Passanten in Osnabrück auf seine Kunst reagiert. Dougherty bezeichnet seine künstlerische Idee, Skulpturen aus Weidenmaterialien zu bauen, auch gerne mit dem Wortspiel "trash and treasure" – aus dem Kompostmaterial Grünabfall (trash) wird ein kostbarer Schatz (treasure), ein Kunstwerk.

Zum ersten Mal arbeitet Dougherty in Deutschland. Als "Spätberufener" begann er 1975 an der Universität von North Carolina Bildhauerei und Kunstgeschichte zu studieren. Seit 1982 schafft Dougherty weltweit großformatige überdimensionale Skulpturen. Im Jahr errichtet er zwischen acht und zehn Skulpturen, überwiegend in den USA. Dass seine Arbeiten nur temporär sind, macht gerade für ihn den Reiz an seiner Tätigkeit aus. Über 120 Arbeiten und Installationen hat er bereits gefertigt. Dougherty wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, so zum Beispiel mit dem Pollock-Krasner Foundation Grant 1994 und dem Henry Moore Foundation Fellowship 1993. Sein nächstes Projekt ist schon in Wisconsin, USA, geplant, und in einem Jahr wird der Künstler voraussichtlich wieder in Europa tätig sein, wo ein weiteres Projekt in Südfrankreich auf ihn wartet. Zahlreiche Installationen können auf der Homepage des Künstlers unter www.stickwork.net eingesehen werden.

Eine Hochschulinitiative der Universität Osnabrück, die "DesFilmeures" haben das Projekt vom "Ernten" der Weiden über die tägliche Arbeit des Künstlers bis zur Eröffnungsfeier der Skulptur gefilmt. Der Film wird voraussichtlich im Sommer der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Skulptur von Patrick Dougherty wird noch bis November am Heger Tor in Osnabrück zu sehen sein.



Osnabrück-Net Letzte Änderung: 06.05.2004