Kunst & Kultur / Kulturnachrichten

03.03.2009

„Topografien des Terrors. Nationalsozialismus vor Ort“

Vortragsprogramm des Kulturgeschichtlichen Museums

Das Jahr 1939 markiert einen Eskalationspunkt nationalsozialistischer Ideologie in Europa. Am 1. September 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus und entfesselte eine bis dahin nicht gekannte Gewalt, die 55 Millionen Tote zur Folge hatte. Das Kulturgeschichtliche Museum nimmt die 70. Wiederkehr des Kriegsbeginns zum Anlass, um mit Vorträgen zur Auseinandersetzung mit der NS-Ideologie und ihrer Zeit anzuregen. Veranstaltungsort ist mit der Villa Schlikker die einstige Osnabrücker NSDAP-Zentrale. Als Museum für die Osnabrücker Geschichte des 20. Jahrhunderts ist die Villa heute ein zentrales Forum einer kontinuierlichen Erinnerungsarbeit zur NS-Geschichte.

Am Donnerstag, 12. März, um 19.30 Uhr hält Dr. Eva Berger, Direktorin des Kulturgeschichtlichen Museums, den Vortrag „Osnabrück und ‚Euthanasie’“. Seit Herbst 1939 wurde mit den anthropologischen, genetischen und eugenischen Forschungen der „Rassenhygieniker“ der als „Euthanasie“ verschleierte Mord an den Menschen legitimiert, deren Leben in der nationalsozialistischen Ideologie als „nicht lebenswert“ galt. Aus der ursprünglichen Bedeutung des Wortes „Euthanasie“ vom „guten Tod“ wurde im NS-Regime die Pflicht des Staates abgeleitet, sich der von den Nationalsozialisten als „Ballastexistenzen“ bezeichneten Behinderten zu entledigen. Der Vortrag umfasst eine Rückschau, die Erklärungsmodelle zur späteren Entwicklung anbietet und thematisiert, warum bis heute die Spuren der „Euthanasie“ in Osnabrück kaum wahrgenommen werden.

Am Donnerstag, 7. Mai, um 19.30 Uhr spricht Dr. Sebastian Weitkamp von der Universität Osnabrück über „Zentrale des Terrors. Die Geheime Staatspolizei in Osnabrück“. Auch in Osnabrück existierte ab 1933 eine Dienststelle der Geheimen Staatspolizei. Sie war in den folgenden Jahren wesentlich verantwortlich für die Durchsetzung vielfältiger NS-Terrormaßnahmen. Dazu gehörten unter anderem die Unterdrückung von politischen Gegnern und Andersdenkenden, die Durchsetzung der Zwangsarbeitsmaßnahmen und die Deportation der jüdischen Bürger. Nach dem Krieg konnten sich nicht wenige Beamte der Osnabrücker Dienststelle fast nahtlos in die Gesellschaft der jungen Bundesrepublik integrieren. Der Vortrag gibt einen Überblick über Aufbau und Aktionen der Gestapo vor Ort und stellt dabei auch die Karrieren einiger ausgewählter Beamter vor.

„Das KZ Neuengamme und Osnabrück: Gedenkstätten und Museen beim Erinnern“ ist der Titel des Vortrags von Dr. Frank Jürgensen am Donnerstag, 28. Mai, um 19.30 Uhr. Das KZ Neuengamme bei Hamburg spielt für Osnabrück eine wichtige Rolle. 1942/43 wurde die II. SS-Baubrigade bei öffentlichen Aufräumungsarbeiten eingesetzt. Nach dem Attentat auf Hitler 1944 wurden bei der „Aktion Gitter“ zirka 80 ehemalige Mandats- und Funktionsträger der Arbeiterparteien und des Zentrums verhaftet und kamen in das KZ Neuengamme. Gewerkschaftssekretär Fritz Szalinski und Arbeitsamtsleiter Heinrich Groos wurden dort ermordet. Mit Bezug auf regionalgeschichtliche Zusammenhänge stellt der Referent allgemeine Betrachtungen zur museumspädagogi-schen Praxis der KZ-Gedenkstätte Neuengamme an.

Am Donnerstag, 3. September, um 19.30 Uhr hält Dr. Malte Thießen von der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg den Vortrag „Der ‚Feuersturm’ als Familiengeschichte: Zum Umgang mit Zeitzeugenerinnerungen an den Luftkrieg“. Der Referent berichtet über ein interdisziplinäres Projekt mit Zeitzeugen des Hamburger „Feuersturms“ vom Juli 1943. Im Zentrum steht die Frage, in welcher Form die prägenden Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges in den Familien weitergegeben wurden und nachwirken.



Osnabrück-Net Letzte Änderung: 04.03.2009