Kunst & Kultur / Kulturnachrichten

03.02.2009

Rahmenprogramm zur Ausstellung „Die verborgene Spur“

In Kooperation mit der Volkshochschule Osnabrück, dem Cinema Arthouse und dem Theater Osnabrück hat das Felix-Nussbaum-Haus ein umfangreiches Rahmenprogramm zur Jubiläumsausstellung „Die verborgene Spur – Jüdische Wege durch die Moderne“ entwickelt. Matineen, Vorträge, Lesungen, Podiumsgespräche und eine Filmreihe begleiten die Ausstellung zum zehnjährigen Jubiläum des Museums.

Am Sonntag, 8. Februar, startet das Rahmenprogramm mit einer Matinee (Lesung mit Musik) um 11.30 Uhr im Theater Osnabrück. „Ich kenne, glaube ich, die Welt nur, wenn ich schreibe“, hat der im galizischen Brody geborene Schriftsteller Joseph Roth einmal gesagt, der von 1894 bis 1939 gelebt hat. Sein Zitat nimmt Dramaturg Herbert Hähnel als Leitmotiv für eine Lesung, in der er das Thema Diaspora, das in der Ausstellung anschaulich behandelt wird, mit Texten von Roth aufgreift. Musikalisch begleitet wird die Lesung von Annika Wahlström (Violine) und Marius Stieghorst (Klavier) vom Theater Osnabrück.

In der Volkshochschule Osnabrück wird das Rahmenprogramm fortgesetzt. Am Donnerstag, 12. Februar, hält Prof. Dr. Martin R. Deppner dort um 19.30 Uhr einen Diavortrag mit dem Titel „Stations of the Cross. Ein jüdisch-christlicher Dialog in der Kunst: Marc Chagall und Barnett Newman“. Er stellt Marc Chagall und Barnett Newman als jüdische Künstler vor, die sich auf unterschiedliche und dennoch vergleichbare Weise der Passion Christi zugewandt haben. Da trifft die europäische Kunstauffassung (Chagall) auf die amerikanische (Newman), die klassische Moderne auf eine exponierte Position der Kunst nach 1945. Newmans „Stations of the Cross“, ein 14-teiliger Bilderzyklus, ist Ausgangspunkt für die These, dass das Einbeziehen jüdischer Tradition die Kunst der Moderne maßgeblich beeinflusst hat. Professor Deppner, Dekan der Fachhochschule Bielefeld, ist einer der Kuratoren der Ausstellung „Die verborgene Spur“.

Ebenfalls in der Volkshochschule präsentiert Michael Jürgs am Donnerstag, 5. März, um 19.30 Uhr einen Vortrag mit Lesung zum „atemlosen Leben der Künstlerin Eva Hesse“. Der Journalist, ehemaliger Chefredakteur der Magazine „Stern“ und „Tempo“ sowie Autor unterschiedlicher Biografien, stellt seinen Vortrag unter den Titel „Eine berührbare Frau“. Er hatte exklusiven Zugang zu zahlreichen Quellen, die das Leben einer Künstlerin beleuchten, die zur Ikone des Feminismus stilisiert wurde. Jürgs gelang es, mit Menschen aus ihrem engsten Umfeld zu sprechen. Seine Lebensgeschichte der Frau, die von einem Kritiker einst als weiblicher „James Dean der Kunst“ bezeichnet wurde, ist eine ebenso spannende wie bewegende Lektüre.

Mit dem amerikanischen Maler R.B. Kitaj beschäftigt sich am Donnerstag, 12. März, um 19.30 Uhr ein Dia-Vortrag von Prof. Dr. Ulrich Krempel, dem Direktor des Sprengel Museums in Hannover. R.B. Kitaj gehörte zur losen Gruppierung der London School of Painting. Ein lebhaftes Interesse an deutscher und jüdischer Geschichte führte ihn zu großen Bildfindungen, zu Walter Benjamins Leben und Werk und einer Reihe großer Bildallegorien zum Holocaust. Er reflektierte sein eigenes Leben in Bezug auf die Vertreibung des jüdischen Volkes und befasste sich vor allem mit der Problematik der „jüdischen Diaspora“.

Am Mittwoch, 25. März, findet im großen Saal des Felix-Nussbaum-Hauses um 19 Uhr ein Podiumsgespräch zum Thema „Jüdische Identität in der Kunst an den Beispielen Marc Chagall und Felix Nussbaum“ statt. Es diskutieren Meret Meyer-Garber, die Enkelin Marc Chagalls, Dr. Karoline Hille, eine durch ihre Publikation „Marc Chagall und die Deutschen“ ausgewiesene Expertin, Laurence Sigal, Direktorin des Jüdischen Museums Paris, sowie Inge Jaehner, Direktorin des Felix-Nussbaum-Hauses. Moderiert wird das Gespräch von Elske Brault von NDR-Kultur.

„Jüdische Lebenswelten im Film“ ist der Titel einer Filmreihe, die am Sonntag, 15. Februar, im Cinema Arthouse startet. Die Vorführungen sind als Sonntagsmatineen konzipiert und beginnen jeweils um 11.30 Uhr. Alle Filme werden eine Woche lang auch vormittags im „Schulkino“ angeboten. (Anmeldung und Information beim Cinema Arthouse, Christian Saßnick, Telefon 0541/6006511)

Als erster Film wird die israelisch-deutsch-französische Koproduktion „Lemon Tree“ gezeigt, die bereits beim Unabhängigen FilmFest Osnabrück im vergangenen Jahr für Aufsehen sorgte. In dem Drama widmet sich Regisseurin Eran Riklis dem tragikomischen Alltag in Israel und Palästina, diesmal in Form einer absurden Rechtsstreitigkeit. Als der israelische Verteidigungsminister an die Grenze zur Westbank zieht, wird der Zitronenhain von Salma auf einmal zum Sicherheitsrisiko. In einem aussichtslosen Kampf geht die Palästinenserin bis zum Obersten Gerichtshof, um ihre Bäume zu retten.

Am 1. März folgt der Musikfilm „A Tickle in the Heart“, in dem die Geschichte des Klezmer am Beispiel der legendären Epstein Brothers dokumentiert wird.

„Gerdas Schweigen“ heißt ein Film von Britta Wauer, in der eine Frau portraitiert wird, die sich mit trotzigem Lebensmut ein Leben nach Auschwitz aufgebaut hat und nach über 60 Jahren ihr Schweigen bricht. Die Dokumentation wird am 15. März gezeigt.

Eine humorvolle Auseinandersetzung mit jüdischem Alltag ist der Film „Der Tango der Rashevskis“, der am 5. April gezeigt wird. Es handelt sich um eine Art turbulente Familienstory von Regisseur Sam Garbarski, in der es um religiöse Selbstfindung geht.

Zum Abschluss wird am 26. April der Film „Zug des Lebens“ gezeigt, mit dem Regisseur Radu Mihaileanu versucht, sich dem Thema Holocaust und Schoah mit den Mitteln der Groteske zu nähern.



Osnabrück-Net Letzte Änderung: 04.02.2009