Ursprünglich war dieser Bereich ein eiszeitlich gebildetes Flachmoorgebiet, das bis zum Ende des letzten Jahrhunderts den Besiedlungsversuchen widerstand. Erst mit dem Abbruch der Stadtmauern und -wälle begann die sukkzessive Verfüllung und Trockenlegung des Gebietes bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts.
Seit 1993 haben sich die Anzeichen verdichtet, daß bei der Trockenlegung des Sumpfgebietes neben Boden und Bauschutt auch großflächig Aschen und Schlacken aus der Verbrennung früheren Hausmülls und Gewerbeabfälle mitverfüllt wurden. Damit zählt der Stadtteil Osnabrück-Wüste zu den größten bekannten bewohnten Altlastverdachtsflächen der Bundesrepublik.
Die Untersuchung erfolgt in 6 Stufen, um die jeweiligen neuen Erkenntnisse bei der Durchführung der nächsten Stufe berücksichtigen zu können:
Die Stufen 1 und 2 sind mittlerweile abgeschlossen und haben folgende Ergebnisse gebracht:
Stufe 1: Historische Recherche
Seit Sommer 1997 erfolgt die Untersuchung der übrigen 1.400 Grundstücke, hierbei wird ebenfalls die Mischprobenstrategie verfolgt, die ca. 25 % Kostenersparnis ermöglicht.
Der Abschluß der Gefährdungsabschätzung ist für Sommer 1998 geplant.
Daher wurde ein Konzept der Öffentlichkeitsarbeit aufgestellt, daß auf folgenden 3 Säulen steht:
Information
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Kommunikation
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Beteiligung
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Presse, Radio, Fernsehen
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Bürgerversammlungen
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Projektbeirat
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Info-Broschüren
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Workshops
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Dauer-Ausstellung
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Forschungsvorhaben "Risiko-kommunikation"
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Am 13.5.1997 wurde die Gefährdungsabschätzung "Wüste" vor allem im Hinblick auf diese Maßnahmen als EXPO-Projekt registriert.
Aus den aufgeführten Bereichen werden exemplarisch einige näher erläutert.
Der Projektbeirat "Altablagerung Wüste"
Um eine möglichst hohe Akzeptanz für das Untersuchungsprogramm zu erlangen, hat die Stadt Osnabrück erstmalig in der Bundesrepublik im Zusammenhang mit der Bearbeitung einer Altlast einen gesetzlich legitimierten Projektbeirat eingerichtet (Niedersächsisches Abfallgesetz, SS 37). Der Projektbeirat hat 26 Mitglieder und wird von einem neutralen Moderator des Dortmunder Institutes für Kommunikation und Umweltplanung (iku) geleitet. Dem Projektbeirat gehören neben 6 Mitgliedern der Stadtverwaltung auch Vertreter aller im Rat vertretenen Parteien und sog. Multiplikatoren (Kleingärtnerverein, Sportverein, Bürgerverein, etc.) sowie 8 gewählte Vertreter der Eigentümer und Mieter des Stadtviertels an.
Der Beirat tagt im Schnitt alle 2 Monate und wird vor allen wichtigen Entscheidungen und Vergaben beteiligt. Er kann mit einfacher Mehrheit den Gremien der Stadt Empfehlungen zur weiteren Vorgehensweise geben. Rechte und Pflichten des Projektbeirates sind in einer Geschäftsordnung niedergelegt, die dem Projektbeirat seitens der politischen Gremien der Stadt vorgeschlagen wurde und nach Einarbeitung von Veränderungswünschen der Betroffenenvertreter auf der zweiten Sitzung des Projektbeirates im Dezember 1994 einstimmig angenommen wurde.
Der Projektbeirat hat seit seiner Gründung insgesamt 19 Mal getagt und dabei bisher ca. 100 die Gefährdungsabschätzung betreffende Entscheidungen getroffen. So wurde beispielsweise mit einfacher Mehrheit der Stadt die Empfehlung gegeben, die kostensparende Beprobungsmethodik, der die Bürgervertreter kritisch gegenüberstehen, vor einer Umsetzung auf der Gesamtfläche zunächst auf einer repräsentativen Testfläche zu erproben. Die politischen Gremien sind dieser Empfehlung, die immerhin Mehrkosten von mehr als 300 000,- DM zur Folge hatte, gefolgt. Die überwiegende Anzahl aller Entscheidungen wurde jedoch im Konsens beschlossen.
Tragende Säule des Projektbeirates sind die gewählten Bürgervertreter und die Multiplikatoren. Um die Bürgervertreter gegenüber den übrigen Bürgern des Untersuchungsgebietes zu legitimieren, hat die Stadt Osnabrück zu Beginn der Untersuchungen in einer Infoaktion allen Bewohnern, Nutzern und Eigentümern der Altablagerung angeboten, in dem nunmehr eingerichteten Projektbeirat mitzuarbeiten. Ca. 100 Bürger haben daran Ende 1994 Interesse bekundet. Aus ihrem Kreise wurden dann in einem moderierten Verfahren 8 Bürger und ihre Stellvertreter gewählt, die im Projektbeirat nunmehr die 18.000 betroffenen Bürger der Altablagerung vertreten. Als Multiplikatoren konnten alle wichtigen Verbände und Gruppierungen in dem Untersuchungsgebiet gewonnen werden.
Wichtig ist auch anzumerken, daß die 6 Vertreter der Verwaltung unabhängig von ihrer Hierarchiestufe für ihren Bereich bei Beschlüssen des Projektbeirates entscheiden dürfen und somit nicht weisungsgebunden sind. Diese Vorgehensweise, die seit 1994 in einer Geschäftsanordnung des damaligen Oberstadtdirektors geregelt ist, hat zu Beginn der Sitzungen insbesondere bei den Politikern, die in der Regel eine einheitliche Verwaltungsmeinung erwarten, zu Irritationen geführt. Seitens der Bürgervertreter wird diese Freiheit der Entscheidungsfindung jedoch als vertrauensbildend angesehen, da die Verwaltung so nicht mehr als geschlossener Block betrachtet wird.
Info-Broschüren
Neben der Bürgerbeteiligung spielt auch die kontinuierliche Information der Bürger eine große Rolle. Um alle Bürger zu erreichen, erscheint es unverzichtbar, in regelmäßigen Abständen kurze Infoblätter an alle 13 000 Haushalte des Stadtteils zu verteilen. Bisher wurden zu folgenden Themen Infos erstellt:
Zusätzlich sind im Umweltamt Kurzfassungen der bisher erstellten Sachstandsberichte zu erhalten. Außerdem können alle erstellten Gutachten hier vollständig in anonymisierter Fassung eingesehen werden. Die (z. T. anonymisierten) Langfassungen werden außerdem allen Projektbeiratsmitgliedern 2 Wochen vor Zusammentreten des Projektbeirates zugesandt, so daß auf den Sitzungen auf der Grundlage fundierter Informationen diskutiert werden kann.
Forschungsvorhaben "Risikokommunikation"
Bereits jetzt ist abzusehen, daß ein besonders schwieriger Bereich der Information und Kommunikation mit den Betroffenen die Frage des Bewertungskonzeptes darstellen wird. Angesichts sich ständig verfeinernder und komplexer werdender Bewertungsstrategien (basierend auf Expositionsabschätzungen) sind hier besondere Anstrengungen notwendig, um nach Abschluß der Analysen die Bewertung transparent und nachvollziehbar zu gestalten. Um dieses Ziel zu erreichen, hat das Institut für Umwelt-Analyse bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt einen F+E-Antrag zur Entwicklung eines Risikokommunikationskonzeptes gestellt, der im November 1996 positiv beschieden wurde. Einen großen Teil der Eigenmittel trägt die Stadt Osnabrück.
Kernstück des Forschungsantrages ist die Entwicklung eines einfach zu
bedienenden EDV-Programmes, das in der Lage sein soll, eine individuelle
Einschätzung der Gefährdungssituation einzelner Betroffener unter
Berücksichtigung ihrer jeweiligen Lebensgewohnheiten zu ermöglichen
und somit auch die Auswirkungen präventiven Verhaltens erkennen zu
können.
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Letzte Änderung: 21.07.2004 |