Felix-Nussbaum-Haus

Felix-Nussbaum-Haus - Museum ohne Ausweg

Felix-Nussbaum-Haus Das weltweit erste fertiggestellte Museum des US-Architekten Daniel Libeskind wurde am 18. Juli 1998 in Osnabrück eröffnet: das Felix-Nussbaum-Haus. Es beherbergt mit über 170 Arbeiten die weltweit umfassendste Sammlung von Kunstwerken des jüdischen Malers Felix Nussbaum.

Das Ouevre des in Osnabrück geborenen und in Auschwitz ermordeten Künstlers wurde 1993 vom Bundesministerium des Innern als ein "Werk von nationaler Bedeutung" qualifiziert und erhielt somit den Status eines zu schützenden nationalen Kulturgutes. Eigentümerin des größten Teils der Osnabrücker Nussbaum-Sammlung ist die Niedersächsische Sparkassenstiftung. Sie erwarb die Werke, um gemeinsam mit der Stadt Osnabrück das Erbe des Malers für die Nachwelt zu erhalten.

Felix-Nussbaum-Haus Die Baukosten des Nussbaum-Hauses, dessen Bruttogrundfläche 2500 Quadratmeter beträgt, beziffern sich auf 14,6 Millionen DM. Der dekonstruktivistische, labyrinthische Bau, dessen Gebäudeelemente im Dreieck angelegt sind, weist in seinen Außenfassaden unterschiedliche Materialien auf. Der langgezogene, schmale und hohe Nussbaum-Gang besteht aus Beton, das Nussbaum-Haus ist mit Holz und die Nussbaum-Brücke mit Zinkblech verkleidet. Zu Beginn der Baumaßnahmen wurde 1996 eine dreibogige Ravelinbrücke aus dem späten 17. Jahrhundert entdeckt, die Libeskind in seine architektonische Konstruktion integrierte. Seinem Entwurf liegt ein System von Bezugslinien zugrunde, das die exilbedingte Rastlosigkeit Felix Nussbaums und seine Suche nach Orientierung symbolisiert. Es gibt keine Mitte, kein Zentrum. Entstanden ist ein, wie Libeskind sagt, "Museum ohne Ausweg".

Daniel Libeskind, 1946 im polnischen Lodz geboren und seit 1965 amerikanischer Staatsbürger, studierte von 1965 bis 1970 Architektur an der New Yorker Cooper Union School. Zur Zeit ist Libeskind Professor an der Universität von Los Angeles. Zu seinen Projekten zählen u.a. der Anbau des Victoria and Albert Museums in London, die Erweiterung des Berlin Museums mit der Abteilung Jüdisches Museum sowie der japanische Uozu Mountain Pavillon.

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Felix Nussbaum, 1904 in Osnabrück geboren, studierte in den zwanziger Jahren freie und angewandte Kunst in Hamburg und Berlin. Bereits gegen Ende des Jahrzehnts und in den frühen dreißiger Jahren feierte Nussbaum große Ausstellungserfolge in Berliner Galerien. In seinen zu dieser Zeit entstandenen Familienporträts, Selbstbildnissen, Städte- und Landschaftsansichten setzte er sich mit den Werken Vincent van Goghs und Henri Rousseaus auseinander. Diese Arbeiten dokumentieren auch seine Suche nach einer aus der Phantasie gewonnenen, figurativen Bildsprache, die Anregungen der Werke Giorgio de Chiricos und Carlo Carrás spürbar werden lassen.

Felix-Nussbaum-Haus In der Farbigkeit und den Darstellungsmodi wird hingegen der Einfluß Carl Hofers deutlich. In Anerkennung seines Werkes erhielt Nussbaum 1932 ein Villa Massimo-Stipendium in Rom. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 verhinderte seine Rückkehr nach Deutschland. Nussbaums Weg führte fortan, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau, der jüdisch-polnischen Malerin Felka Platek, über Italien nach Frankreich und Belgien. 1937 bezog das Paar eine Wohnung in Brüssel. Nussbaums Arbeiten aus dieser Zeit - darunter außergewöhnliche Selbstporträts - künden von zunehmender künstlerischer Isolation und persönlicher Angst vor Verfolgung und Ausweisung.

Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Belgien wurde Felix Nussbaum 1940 verhaftet und im südfranzösischen Lager Saint Cyprien interniert. Ihm gelang jedoch die Flucht aus einer Kaserne in Bordeaux. 1942 tauchte er zusammen mit seiner Frau in Brüssel unter. 1944 wurden beide von der deutschen Wehrmacht entdeckt, nach Auschwitz deportiert und ermordet. Nussbaums Werke setzten sich ab 1940 symbolhaft und in unvergleichlicher Weise mit dem Grauen des Holocaust auseinander.

Felix-Nussbaum-Haus Die Anfänge der Felix-Nussbaum-Sammlung in Osnabrück gehen auf das Jahr 1970 zurück. 1971 erfolgte die erste umfassendere Ausstellung mit Werken des Künstlers in der Osnabrücker Dominikanerkirche. Mitte der achtziger Jahre wurden seine Arbeiten einem internationalen Publikum in Einzelausstellungen in New York, Jerusalem, Manchester und im französischen Angers vorgestellt. Die "New York Times" urteilte 1985, daß Nussbaum "ein talentierter Künstler von großer graphischer Begabung" war.

Mit 100 Werken fand 1990 die bis dahin größte Einzelausstellung Nussbaums im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück statt. 1994 waren Nussbaums Werke bei der in Paris und Barcelona gezeigten Ausstellung "La ville, art et architecture en Europe 1870 - 1993", 1995 bei der Biennale in Venedig und der Europaratsaustellung "Art and power - Europe under the Dictators" in London vertreten. Auf ein großes Interesse stieß 1994/95 die Nussbaum-Ausstellung im Amsterdamer Joods Historisch Museum, das 42 000 Besucher zählte. 60 000 Besucher sahen 1997 die Nussbaum-Ausstellung im Israel-Museum, Jerusalem. Die israelischen Medien sprachen von einer "Wiederentdeckung", und die weitverbreitete Tageszeitung "Haaretz" würdigte Nussbaum als "wichtigsten jüdischen Künstler des Jahrhunderts".

"In seinen dem Leben und Sterben abgerungenen Bildern verliert die Tragödie des jüdischen und des deutschen Volkes, die Geschichte der namenlosen Opfer und die Geschichte der namenlosen Täter, ihr anonymes Gesicht. Sie ist nun auffindbar in einem menschlichen Antlitz." (art Das kunstmagazin 7/98)

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 11 bis 18 Uhr, samstags/sonntags 10 bis 18 Uhr.
Felix-Nussbaum-Haus, Lotter Str. 2, 49078 Osnabrück



Osnabrück-Net Letzte Änderung: 10.04.01